Das Schultertuch und das Charivari

Damals wie auch heute werden zur Trachtenmode bzw. zum Dirndl verschiedene Accessoires getragen. Viele davon gibt es bereits aus früheren Zeiten und sie wurden in unterschiedlicher oder abgewandelter Form bereits zu verschiedenen Landestrachten getragen.

Wofür ein Schultertuch?

Auch das Schultertuch wurde bereits zu vielen traditionellen Trachten angelegt. Heute wird es teilweise in gleicher oder auch abgewandelter Form zum modernen Dirndl gewählt.

Schon früher wurde es über die Schultern gelegt und vorn entweder zusammengeknotet oder mit einer schönen Brosche zusammengehalten. Vor allem kommt es auf den Stoff des Tuches an. Meist ist es aus Seide oder einem anderen schönen glänzenden Stoff. Auch das Design und Material der Brosche ist wichtig. Die Trägerin eines Schultertuches legt auch besonderen Wert auf das Aussehen der Brosche, denn diese steht, wenn sie auch als Hilfe für das Schultertuch dient, schon für sich allein als modisches Accessoire in der Trachtenmode.

Besonders im Trend liegen Broschen mit traditionellen Motiven, wie zum Beispiel dem Herz, dem Edelweiß oder auch dem Hirsch. Als alternative Verschlussmethode für das Schultertuch werden heutzutage außerdem Spangen genutzt. Diese sind dann oft ganz klassisch aus Gold oder Silber und mit kleinen Granatsteinen verziert.

Im Gegensatz zu damals werden heute die meisten Schultertücher maschinell hergestellt und verziert. Damals wurden die schönen Trachtenaccessoires in Handarbeit hergestellt. Der Stoff wurde gewebt und gefärbt, Stickereien und Verzierungen wurden natürliich ebenfalls per Hand aufgebracht. Obwohl Handarbeit den Wert eines solchen Schmuckes natürlich um einiges höher erscheinen lässt, so stehen Design und Auswahl der modernen Schultertücher den traditionellen in nichts nach.

Wozu das Charivari

Das Charivari ist ein ganz besonders edler Trachtenschmuck, den sowohl Männer als auch Frauen tragen. Hauptsächlich in Bayern und Tirol trägt man diese protzige Silberkette mit möglichst vielen Anhängern. Aussprechen tut man das ungewöhnliche Wort wie “Schariwari”. Der Wortursprung des Charivaris liegt im Latein. Das lateinische “Caribaria” bedeutet so viel wie “Verrücktheit” oder “Kreuz und quer”. Und genau das trifft den Nagel auf den Kopf: Schließlich zeichnet sich ein schönes Charivari genau durch so ein kunterbuntes, angeberisches Durcheinander aus.

Besonders für Männer sind Charivaris Angeberei: Quasi die Vorläufer der sportlichen Coupés oder einer besonders teuren Krawatte. Eine massive Silberkette von rund 33 Zentimeter Länge mit wenigstens fünf Anhängern, die vor dem Latz einer Lederhose getragen wird. Wer mehr Anhänger möchte, immer drauf damit auf die Kette. Doch Vorsicht: Der Tradition nach bringt eine gerade Anzahl von Ansteckern Unglück über den oder die TrägerIn!

Frauen bevorzugen meist etwas schlichtere und subtile Charivaris. Diese filigranen, kunstvollen Silberketten mit Anhängern werden dann über der Dirndlschürze oder als Miederschmuck angelegt.

Glücksbringer

Als Anhänger dienen häufig Jagdtrophäen wie der “Kümmerer”, wobei es sich um verkümmerte Geweihspitzen von Rehen oder Hirschen handelt, oder so genannte “Wildschweinhauer”. Aber auch Glücksbringer wie Hasenpfoten, traditionelle Potenz-Symbole wie ein Marderpenisknochen oder Symbole für Reichtum wie ein Firmtaler oder Münzen werden gerne an das Charivari angelegt. Letztlich sind der eigenen Fantasie keine Grenzen gesetzt: Alles, was irgendwie an einer Silberkette befestigt werden kann und irgendetwas mit einem zu tun hat oder hatte, darf an dem eigenen Charivari landen.

Charivaris lassen sich auch optimal verschenken. Ob zur Firmung oder Kommunion, zum Geburtstag oder als Mitbringsel von den kommenden Wiesn – schließlich sind Traditionen gerade wieder angesagt wie selten und Accessoires wie das Charivari werden zum “Must have”. Schließlich tragen auch die coolen Rapper von MTV fette Gold- und Silberketten – wenn die wüssten, dass das schon die alten Bayern und Tiroler gemacht haben, würden sie sich das vielleicht noch einmal überlegen…

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